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J. A. Comenius

 

  Kooperation
mit dem Berufskolleg

Die Kooperationsklasse :  ein Projekt des Berufskollegs Köln-Porz sowie der Johann-Amos-Comenius-Hauptschule in Köln-Zündorf, der Kopernikushauptschule Porz und der Paul-Humburg-Hauptschule in Köln-Longerich

Entstehungsgeschichte

In Köln gibt es zahlreiche Projekte und Maßnahmen, welche alle das Ziel verfolgen, benachteiligten Schülern und Schülerinnen auf Umwegen den Übergang in die Arbeitswelt zu erleichtern oder einen Schulabschluss (meistens den Hauptschulabschluss) nachträglich zu erhalten. Leider greifen diese Maßnahmen, welche teils vom Schulamt, teils vom Arbeitsamt oder von diversen beauftragten Trägern koordiniert und durchgeführt werden, erst recht spät. Zulassungsvoraussetzung für solche Maßnahmen sind oftmals das 10. Schulbesuchsjahr der Schüler/Innen oder sogar der Hauptschulabschluss nach Klasse 9.

Um früher eingreifen zu können, wurde ein Verbund unter Beteiligung der vier oben genannten Kölner Schulen gegründet. Hier erhalten die so genannten „Frühabgänger“ zielorientiert schulische sowie berufspädagogische, sozialpädagogische und arbeitsmarktrelevante Hilfen zur Verbesserung ihrer Berufs- und Lebenschancen.

 Organisationsform bzw. Zusammensetzung der Lerngruppe

 Die Lerngruppe besteht ausschließlich aus Schüler/innen, welche das Klassenziel des 8. Schuljahrs an einer der genannten Hauptschulen nicht erreicht haben und zum Teil schon zum zweiten Mal an der Versetzung in die nächsthöhere Klasse gescheitert sind. Der Schulbesuch in den letzten Jahren war z. T. unregelmäßig oder durch andere Schwierigkeiten bestimmt, so dass ein Schulabschluss in der Regelschulzeit normalerweise nicht mehr möglich schien. In der Kooperationsklasse haben die Schüler nun die Möglichkeit, innerhalb von zwei Jahren den Hauptschulabschluss erfolgreich nachzuholen.

Die  Besonderheiten der Kooperationsklasse sind im Vergleich zu anderen Maßnahmen (ProSekKo, BUS, Wegeplaner, Praxisklassen o.ä.) folgende:

  1. Es besteht die Möglichkeit zum Erlangen des Hauptschulabschlusses.

  2. Die Schüler bleiben/werden Schüler der Johann-Amos-Comenius Hauptschule; ihr Unterricht findet jedoch komplett (bis auf Sport) am BK (Berufskolleg) 10 statt.

  3. Die Lerngruppe besteht zzt. aus 11 Schülern.

  4. Zwei Lehrkräfte des BK 10 und 3 Lehrkräfte der JAC– Hauptschule unterrichten in der Kooperationsklasse.

  5. An 2 Tagen in der Woche findet der fachpraktische bzw. fachtheoretische Anteil des Unterrichts in den Werkstätten des BK 10 statt; an den übrigen Tagen der allgemeinbildende Unterricht (s. Stundenplan).

 Zusammenarbeit mit den Eltern

Von Anfang an sind die Eltern der Schüler am Projekt Kooperationsklasse beteiligt. In Einzelgesprächen wurden die Schüler im Beisein ihrer Erziehungsberechtigten informiert und aufgeklärt - einerseits über den aktuellen Stand der Jugendlichen (Nichtversetzung bzw. schlechte Abschlussprognosen) und andererseits über die Perspektiven, die der Besuch der Kooperationsklasse mit sich bringt.

Nicht angesprochen für die Kooperationsklasse werden Schüler, welche sich im Berufsfeld Handwerk überhaupt nicht wiederfinden können bzw. durch Absentismus so auffällig sind, dass die Aussicht auf erfolgreiche Teilnahme an diesem neuen Projekt eher negativ eingeschätzt wird.

In der Regel sehen alle Eltern die Maßnahme als Chance und versprechen Unterstützung beim weiteren schulischen Werdegang ihrer Kinder. Bei schulischen Problemen der Schüler (zu spät kommen, unentschuldigtes Fehlen, massive Unterrichtsstörungen) wird von Anfang an der Kontakt zu den Eltern von Seiten der Schule gesucht.

 Zielformulierung bzw. Perspektiven für die 2-jährige Ausbildung

  • Berufsbezug

  • Praktika, Erkundungen...

  • Zusammenarbeit mit externen Partnern (Arbeitsagentur, Kammern, Innungen...)

  • Erweitern von sozialen Kompetenzen (Lernbereitschaft/-ausdauer, Anstrengungsbereitschaft, Konzentrationsfähigkeit, Teamfähigkeit...)

  • Regelmäßige aktive Teilnahme am Unterricht

 Erkenntnisse aus den ersten 2 Monaten

 Es hat sich deutlich gezeigt, dass die Phase der Selbstfindung und Selbststärkung der Schüler noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Auf der anderen Seite muss von den Schülern von Anfang an eine entsprechende Leistung in einer angemessenen Arbeitsatmosphäre verlangt werden. So muss ständig zwischen den richtigen Maßnahmen geschickt jongliert und abgewogen werden. Eine auf individuelle Bedürfnisse ausgerichtete Förderung ist erforderlich. Die Zusammensetzung der Gruppe (Altersunterschiede von 2 Jahren, gemischt mit unterschiedlichen Nationalitäten) erfordert viel Fingerspitzengefühl und ein hohes Maß an Differenzierungsmöglichkeiten.

Besonders hilfreich für die tägliche Arbeit ist die Unterstützung der Sozialpädagogin des BK 10, welche in vielen individuellen Gesprächen versucht herauszufinden, wo die Stärken und Schwächen eines jeden Schülers detailliert liegen.

Zugute kommt außerdem, dass der fachpraktische Unterrichtsanteil in der Werkstatt meistens von zwei Lehrkräften gleichzeitig betreut wird. Der allgemeinbildende Unterricht knüpft inhaltlich häufig direkt an diesen praktischen Unterricht an.

Ein wichtiges Element zum Gelingen der Kooperationsklasse ist der ständige Austausch der unterrichtenden Lehrkräfte sowie der Sozialpädagogin. In vielen Sitzungen gelingt es so, die vielschichtigen Charakteren der Schüler herauszufiltern und gemeinsam Regeln festzulegen.

Im Vordergrund der ersten Unterrichtswochen standen auf jeden Fall das „Sich–Kennen–Lernen“ als Gruppenprozess mit all seinen sozialen Aspekten. Förderlich hierfür wurden u. a. das gemeinsame Frühstück, der Besuch der Kletterhalle oder der Besuch des Schwimmbades durchgeführt.  

Mit Unterstützung des Jugendamtes  wird ein 10-wöchiges „Sozialtraining“ in der Sporthalle durchgeführt. In diesem Seminar, welches durch einen externen Coolnesstrainer in Begleitung des Sportlehrers gecoacht wird, geht es primär um Findungsprozesse, Selbststärkung und Antiaggressionstraining.


    07.11.2009,



 


 

 


Ein Bericht des Kölner Stadt-Anzeigers:

Neue Perspektiven an der Werkbank

KStA, von Roland Schriefer, 04.11.09

Das Berufskolleg 10 in Porz bietet Schulversagern eine neue Chance. Zwei Tage in der Woche verbringen die Schüler der Kooperationsklasse im Kolleg, wo sie beispielsweise Werkstücke aus Metall fertigen.

Im Porzer Berufskolleg (Bild: Schriefer)

Porz - In der achten Klasse der Hauptschule zu scheitern, ist keine gute Voraussetzung dafür, einmal einen ordentlichen Beruf ergreifen zu können. Vielfältig sind die Gründe, warum junge Menschen schon so früh in der Schule scheitern. In einem in NRW einmaligen Pilotprojekt, an dem sich das Berufskolleg Porz, die Johann-Amos-Comenius-Hauptschule in Zündorf, die Kopernikus-Hauptschule in Eil und die Paul-Humburg-Hauptschule in Longerich beteiligen, soll auch solchen Schülern jetzt eine Chance gegeben werden. Am Berufskolleg haben zu Beginn des Schuljahres die ersten zehn Schüler der so genannten Kooperationsklasse den Unterricht aufgenommen. Zwei Jahre lang werden sie an drei Tagen lang von Pädagogen der Hauptschule unterrichtet, zwei Tage lang von Berufsschullehrern. Wenn sie das Klassenziel erreichen, haben sie den Hauptschulabschluss in der Tasche und können bei entsprechenden Noten sogar die Mittlere Reife machen.

„Es ist leichter hier als in der Hauptschule und macht mehr Spaß“, sagte einer der Schüler, die gerade an einem Werkstück aus Metall den richtigen Umgang mit Schrupp- und Schlichtfeile übten. „Bei praktischem Unterricht haben auch solche Schüler, die auf der Hauptschule gescheitert sind, wieder Erfolge“ sagte Hermann Wilkens, der Schulleiter des Berufskollegs. Ein erstes Zeichen dafür sei, dass die Schüler wieder regelmäßig zum Unterricht kommen, was auf der Hauptschule eher Seltenheitswert hatte.

Begleitet wird die Klasse auch von einer Sozialarbeiterin des Jugendamtes, die als erste Maßnahme mit den Schülern zum Klettern gegangen ist. Sie hat auch einen Konflikt-Trainer engagiert, der mit den Jugendlichen geboxt hat. „Da konnten sie mal richtig Dampf ablassen“, sagte Marianne Kelm.